Der Himmel über Devil’s Dyke fühlt sich an einem warmen, windigen Tag im Juni unendlich weit an. Blaue Flächen, die sich über sanfte Hügel und Ebenen ziehen und mit dem glitzernden Meer verschmelzen. Es ist dieser Himmel, der für unser Shooting gleich mehrere Gruppen zusammenbringt. Drachensteiger*innen, Vogelbeobachter*innen, Wolkenentdecker*innen und Sternegucker*innen. Sie alle nehmen sich Zeit, nach oben zu schauen. Und finden Staunen und Zufriedenheit im Himmel dort oben.

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DIE DRACHENSTEIGER*INNEN

Martin wickelt die Schnur ab und ein riesiger rosa Oktopus steigt in den Himmel. Der Wind packt ihn und Martin braucht ordentlich Kraft, um die Schnur festzuhalten, während der majestätische Drachen im Wind steht. „Der Running Gag ist: Du kommst mit einem Drachen zum Festival, den du für groß hältst. Jemand schaut ihn sich an – und im Jahr darauf kommt er mit einem größeren. Das ist das endlose Spiel, das wir spielen.“

„Ich habe zwei Drachen. Falls meine Frau das hier liest: Ich habe zwei“, lacht Collin. „Eigentlich sind es ungefähr 500.“

„Wir haben so viele Drachen, mein Vater und ich, dass wir unser Wohnzimmer verloren haben. Das ist jetzt Lager“, ergänzt Sabrina. Sabrina und Collin haben das Ehepaar Martin und Anne auf Drachenfestivals kennengelernt, genauso wie Will, einen weiteren Drachenfan. Und seitdem sind sie enge Freunde.

„Das Gefühl, einen Drachen steigen zu lassen … das ist einfach Freude. Das ist echtes Glück“, sagt Collin und schaut zu seinem sonnenuntergangsfarbenen Drachen hoch. „Du bist so im Moment, dass du an nichts anderes denken kannst. Das entspannt total.“

„Als Kind habe ich immer einen Lenkdrachen steigen lassen – und einfach vergessen, damit aufzuhören“, sagt Martin. Collin nickt. „Es bringt dich zurück in deine Kindheit. Älter werden ist unvermeidlich, erwachsen werden ist optional.“

„Durch Drachen bekommst du ganz viel vom Leben mit. Die Drachen-Community ist riesig“, sagt Sabrina. „Du triffst jemanden aus Tunesien, Italien, Spanien, Frankreich, Japan – und ihr seid alle auf einer Wellenlänge, wegen dem, was ihr am Drachensteigen liebt“, sagt Collin.

„Ein Himmel, eine Welt. Wir alle teilen dasselbe.“ Collin

Anne packt den gestreiften Regenbogendrachen ein, der eben noch über uns schwebte. „Ich wünschte, alle anderen könnten sehen, was wir sehen. Dieses Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Jung, alt, jede Religion. Alle verstehen sich so gut. Das ist eine Freude.“

DIE VOGELBEOBACHTER*INNEN
Becca und Johnathon zeigen dem Team währenddessen etwas. Eine Feldlerche. „Der Familienname ist echt witzig“, erzählt Johnathon der Gruppe, die sich zum Zuschauen um ihn geschart hat: „Turdus“. „Fantastisch“, lacht Becca. „Ziemlich unglücklich.“

Johnathon und Becca lieben es, Vögel zu beobachten, vor allem in der Stadt, und wollen beide andere dafür begeistern. „Es ist ein euphorisches Gefühl, gerade etwas entdeckt zu haben“, erklärt Johnathon. „Und wir sind von Natur aus darauf angelegt, uns mit der Natur zu verbinden.“

Becca stimmt zu. „Diese Verbindung ist für mich wirklich zentral. Es ist dieses Gefühl von Zugehörigkeit und Zufriedenheit.“

„Es ist wie eine Schatzsuche in der Natur.“ Johnathon

„Mein Tipp: einfach langsamer machen und hinschauen. Selbst wenn du morgens auf dem Weg zur Arbeit am Bahnhof eine Bachstelze siehst und dich fragst, was das ist – dann hast du Vögel beobachtet. Weil du sie bemerkt und geschätzt hast“, erklärt sie.

„Das Schöne ist: Es öffnet deinen Kopf und deinen Blick“, ergänzt Johnathon und dreht sich leicht, um die Feldlerche zu beobachten. „Du musst langsamer werden und aufschauen von dem, was du gerade machst – deinem Handy oder was auch immer. Du musst deinen Körper runterfahren“, sagt Becca.

Beide halten kurz inne. „Vögel zu beobachten erfordert keinen bestimmten Look, das kann wirklich jeder, weißt du?“, sagt Johnathon zum Schluss. „Es verbindet Generationen. Es bringt Menschen zusammen.“

DIE STERNEGUCKER*INNEN
Es ist 22.30 Uhr, als wir Josh, Becky, Nikita und Gina fotografieren. Geduldiges Warten auf den Sonnenuntergang am vermutlich längsten (und heißesten) Tag des Jahres. Josh fragt Becky, ob sie an Außerirdische glaubt, während wir auf zerklüfteten Felsen stehen, das Teleskop auf einer Kreidekante balanciert. „Bei einem so riesigen Universum muss es da draußen doch irgendwo Leben geben“, lächelt Becky. Sie glaubt daran. Josh auch.

„Ich finde, mehr Menschen sollten mit dem Sternegucken anfangen, weil wir den Nachthimmel schützen müssen. Wir könnten die letzte Generation sein, die die Sterne in ihrer ganzen Pracht sieht“, sagt Josh.

„Und das ist eine große Sache, denn was ich am Nachthimmel liebe, ist, wie gut er für meine mentale Gesundheit ist“, sagt Becky. „Er lässt mich vom Alltag abschalten und merken, dass über meinem Kopf noch so viel mehr passiert. Dass ich klein bin und nicht ins Gewicht falle – das macht mir vieles leichter.“

„Sternegucken gibt mir so viel Hoffnung.“ Becky

„Für mich ist es die Neugier, unseren Platz im Universum zu verstehen“, sagt Josh und zieht eine drehbare Sternenkarte aus seinem Rucksack. „Ich liebe es, wenn Menschen zum ersten Mal den Saturn durch ein Teleskop sehen. Diese Freude zu teilen, ist unglaublich“, lächelt Becky. „Die Sternengucker-Community ist eine der freundlichsten und fröhlichsten, die es gibt. Alle freuen sich über die kleinsten Dinge.“

„Wenn der Himmel in die Dämmerung und dann in die Nacht übergeht, ist das einfach das Schönste überhaupt“, sagt Gina, als sie mit ihrer Freundin dazukommt. „Was ich am Himmel mag, sind die wechselnden Farben“, ergänzt Nikita. „Natur ist Ruhe. Und Gelassenheit.“

„Es ist fast wie eine außerkörperliche Erfahrung, wenn du nach oben schaust“, sagt Becky und stellt das Teleskop ein. „Neugier, Staunen, Schönheit – das sind die Worte, die mir einfallen“, wirft Josh ein. Wir könnten nicht mehr zustimmen.

Wenn uns dieses Shooting eines gezeigt hat, dann, dass im Nach-oben-Schauen eine echte Freude steckt. Im Langsamerwerden und Wertschätzen. Und darin, aus dem Alltag rauszukommen und rein in die Natur – auch wenn das der Park um die Ecke ist. Genau das machen diese Hobbyfans mit voller Hingabe.

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